Traumberuf Fotograf 1

Traumberuf Fotograf: Mit dem Finger am Auslöser

Das Internet und seine Scheinwelt. Schaut man sich die suggerierten Tagesabläufe bekannter Fotografen auf Facebook und Instagram an, so scheint der Alltag vieler wie der des Starfotografen Connor Mead aus Mark Waters' „Der Womanizer“.

Nach dem Betreten des Studios wird einem der Mantel von der 1. Assistentin abgenommen, währenddessen sich die Zweite um das persönliche Wohlbefinden kümmert. Jetzt noch schnell das nervige Telefonat mit Versace über die Bühne bringen, bevor es endlich losgehen kann.

In der Realität sieht das Leben des Fotografen ganz anders...

Das Licht ist bereits gesetzt und ohne großartig nachzudenken sind zwei bis drei Schnappschüsse der halbnackten, sich auf dem Fell räkelnden Schönheit im Kasten. Zeit für einen Champagner. Die Post-Production übernimmt und sorgt dafür, dass selbst die letzten Andeutungen einer Mimik aus dem bildhübschen Gesicht verschwinden.

Nachmittags, noch schnell mit drei One-Night-Stands der letzten Nacht via Konferenz-Call Schluss gemacht, bevor es dann mit der Schönheit im Arm in Richtung Se… inspirierenden 3-Tage-Urlaub geht.

In der Realität sieht das Leben des Fotografen ganz anders, nahezu unsexy aus - und dennoch könnte das Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit im Bezug auf die Tätigkeit des umgangssprachlichen „Knipsers“ widersprüchlicher nicht sein.

Ist die oft geträumte Karriere als Fotograf noch möglich?

Im Gegensatz zu Zeiten der analogen Fotografie ist das heutige Endprodukt lediglich eine Auseinandersetzung und Komposition einzelner Ideen und Teilproduktionen dritter. Wo es das nicht ist, ist die Finanzierung höchst schwierig, schließlich wird heute lieber billiger produziert, obgleich des Qualitätsverlustes.

Nun mag zwar früher nicht alles, aber auf jeden Fall einiges besser gewesen sein, und dennoch träumt heute so manch einer von der großen Karriere hinter der Kamera: Fotograf – ein Leben mit dem Finger am Auslöser.

Möglich? Definitiv ist heute Unzähliges einfacher geworden, was man einst so sehr gehasst hat. Entscheidend ist jedoch nach wie vor die innere Haltung zum Handwerk, der Sinfonie aus Licht, Objekt und Technik, die zur Perfektion getrieben werden will.

Fotograf, ein echter Traumberuf...

Es geht nicht um Glitter und Glamour, sondern viel mehr um die interessante, spannende und vor allem angesehene Seite des Berufs – und das ist er, lässt man sich immer wieder von den gedruckten Ergebnissen, einzigartigen Momenten und dem Kreieren neuer Ausdrucksweisen entlohnen.

Am Ende ist es jedes Mal dieser eine Moment, in dem Nachtschichten, Zeitdruck und Improvisation verfliegen und man weiß, warum man sich der Fotografie, dem Traumberuf, mit Leib und Seele verschrieben hat.