SNTFLUT - Fussball Fotografie - Reportage 1

SNTFLUT: „Nicht nur Fußball verbindet, sondern auch die Fotografie“

Flüchtlinge hier, Flüchtlinge da. Unsere Medienwelt kennt nur noch ein Thema: Flüchtlinge. Doch auch wenn die Debatte mittlerweile zum digitalen Mainstream bzw. zur Kategorie „alter Hut“ gehört, wollten die beiden Foto- und Videoproduzenten Sebastian Kortmann und Raphael Schumacher von SNTFLUT ihren Teil dazu beitragen.

Im Rahmen einer Aktion der Organisation RheinFlanke Köln, besuchten die beiden Kreativen ein Fußball-Camp, bei dem - die teils sehr jungen - Asylsuchenden gemeinsam Fußball spielen, sich austauschen und Abwechslung durch den Sport finden. Spontan haben sie einen kleinen Foto-Workshop in der Halbzeitpause abgehalten und gezeigt, dass nicht nur der Fußball verbindet. Wir haben mit Sebastian Kortmann und Raphael Schumacher über die gemachten Erfahrungen gesprochen.

Sebastian und Raphael, wie kam es zu der Idee des spontanen Foto-Workshops?

Ursprünglich wurden wir von der RheinFlanke Köln eingeladen, ein paar Aufnahmen von dem Fußballturnier für minderjährige Flüchtlinge zu machen. Zu Anfang kickten wir mit den Kids und fotografierten dabei. Eine ganz gute Herangehensweise, das Eis zu brechen und Vertrauen zu uns und den Fotoapparaten aufzubauen.

In der Mittagspause kamen die Kids an und interessierten sich eher für die Kameras anstatt des Essens. Im Grunde entstand zu dem Zeitpunkt die Idee eines spontanen Einführungskurs in die Fotografie und wir sagten uns: „Wenn ihr alle gegessen habt, zeigen wir euch wie die Kamera funktionieren und worauf ihr achten solltet.“

Wie haben die Kids der RheinFlanke Köln auf Eure Idee reagiert? Kannten sie das Medium Fotografie?

Augenscheinlich fanden die Kids die Idee sehr gut. Alters- und Geschlechtsunabhängig wagten sie sich an die Kamera. Es war interessant zu beobachten, wie intuitiv sie die Kamera bedienten. Nach einer kurzen Einweisung schossen sie erstaunlich gute Bilder. Die Schwierigkeit dabei war, dass die Kids mit dem Canon FD 50mm 1.8 fotografieren mussten, das ausschließlich manuell fokussierbar ist.

Naja, in der heutigen Zeit wachsen die Kinder mit einer unglaublichen Flut an Bildern auf und sind somit vertraut mit dem Bild (im weitesten Sinne) – egal, woher sie stammen. Unser Eindruck von dem Workshop untermauert diese Aussage, den sie wussten direkt wie ein gutes Fotos zu entstehen hat.

Sport verbindet, so sagt man. Wie sieht es beim Thema Fotografie aus?

Exakt. Der Fußball ist aufgrund unterschiedlichster Faktoren international verständlich. Auch der Fotografie wohnt diese Eigenschaft inne. Denn auch dort lassen sich Aspekte wiederfinden, die unterschiedliche Kulturen oder Religionen vernetzen. Ein Hauptpunkt ist hier die Rezeption der Fotografien oder Bilder. Die visuelle Darstellung ohne Text erlaubt es, eventuelle sprachliche Barrieren zu überwinden und sich die fotografischen Inhalten selbst zu erklären. Durch individuelle Interpretation von Fotografien erfasst man Phänomen wesentlicher differenzierter als beispielsweise schriftlichen Werke. Das ist doch erst einmal toll.

In unserer Bachelorarbeit, in der wir uns genau mit diesem Phänomen beschäftigt haben, sprechen wir von einem „visuellen Esperanto“ – also einer universellen und weltumfassenden Sprache. Wir denken, das beschreibt es ganz gut.

Und wie kann Eurer Meinung nach die Fotografie zur Integration von Flüchtlingen beitragen?

Das was diese Schutzsuchenden durchleben ist unglaublich vielschichtig und für unsereins eigentlich nicht vorstellbar. Sie müssen sich kulturell, politisch und sozial neu orientieren und erfahren ja im Grunde eine „zweite Sozialisation“.

Integration setzt eine erfolgreiche Interaktionen zwischen uns – als Einheimische – und den Flüchtlingen voraus. Mit unseren Fotografien wollten wir eben genau das erreichen: eine Interaktion unterschiedlicher Kulturen. Diese naturgetreuen Abbildungen zeigen eben die Realität und nichts anderes als einen Menschen, der das Recht hat, in Frieden zu leben.

Fotografien haben dementsprechend die Funktion zum Verständnis und zur Akzeptanz anderer Verhaltensweisen und Kulturen beizutragen.

Eure Aktion war sichtlich ein voller Erfolg. Was möchtet Ihr anderen Fotografen mit auf den Weg geben?

Bezüglich der Flüchtlingsthematik ist es wünschenswert, dass man mit derartigen Fotografien aufzuzeigen versucht, das ein Flüchtling in nicht irgendeiner Form illegal oder andersartig ist. Ein Mensch wie du und ich.

Lichtet die Realität ab! Aber ehrlich gesagt, soll jeder Fotograf selber entscheiden, wie und in welcher Intensität er das Thema behandeln will.