Dragonflies - Charles Stark - Draper Laboratory

Kolumne: (Design-)Kritik am Fortschritt der Technik

In den letzten Jahren ist auf dem Markt der Fotografie, der digitalen Datenverarbeitung, der Fortbewegung und der Kommunikation viel geschehen. Während sich Unternehmen wie Apple oder Samsung stets versuchen mit neuen Smartphones oder -watches zu übertrumpfen, machen Tesla, BMW und Mercedes-Benz große Fortschritte auf dem Gebiet der vollelektrischen Mobilität und HTC und Oculus liefern sich virtuelle Duelle um den Kampf des besseren VR-Produzenten. Doch im Grunde ist doch alles gleich geblieben?! Das verdeutlichen vor allem die Vorstellung des „New Nokia 3310“ sowie der Fakt, dass Elektromärkte wie MediaMarkt wieder Schallplatten verkaufen.

Back to the roots: Ist es das, was die Menschen wollen?!

Betrachtet man den Smartphone-Markt, so fällt schnell auf, dass sich gar nicht so viel geändert hat. Dies zeigt auch das Beispiel Nokia. Der damalige Handyriese pflegte zwar in den letzten Jahren – dank ihrer unpopulären Windows Phones – ein regelrechtes Schattendasein, doch feiert man in diesem Moment das ganz große Comeback und möchte mit neuen Smartphone mit elegantem Design zu neuer, alter Größe aufsteigen – und das obwohl das begehrteste „Smartphone“ überhaupt nicht in die Kategorie „Smart“ hineinpasst, aber dennoch bei den Kunden vielversprechend ankommt.

Mit der Vorstellung des neuen Nokia 3310, einem Klassiker im Barrenformat, das designtechnisch an seinen Vorgänger angelehnt und angeblich genau so robust konzipiert wurde, zeigt sich was viele Menschen eigentlich wollen: Back to the roots. Das mit dem totgeglaubten Symbian ausgestattete Handy zeigt sich hier als Unschlagbar. Es bindet die Menschen emotional an sich, weckt alte Erinnerungen und präsentiert sich auch ohne WhatsApp, Instagram und Twitter als schlichtes Kommunikationsmittel. Ladekabel in den Italienurlaub mitnehmen? Wozu, wenn doch der Akku 25 Tage lang hält und ein 20-stündiges Telefonat dank Flatrate kein Problem ist?!

Mit der Zeit gehen, ob man will oder nicht

Also warum nicht vom ganzen Smartphone-Hype abspringen und mit einem schlichten Handy wieder zum Ursprung der mobilen Kommunikation zurückkehren?! Warum muss es eine völlig überteuerte 7.1 HiFi-Anlage sein? Und warum reichen kein klassischer Verstärker oder der Plattenspieler von Großvater?

Zwar ist es beeindruckend was die Technik an Möglichkeiten und Fortschritt für uns bereithält, doch sind wir nicht gezwungen alleine auf Grund des „Dabeiseins“ mitzuziehen? Schließlich gibt es sie, die Menschen die sich über das neuste Smartphone ihrer Lieblingsmarke freuen und glücklich alle sechs Monate bis zu 1.000 Euro für ein Gerät in einem Online-Shop investieren, das grundsätzlich für die Kommunikation gedacht war. Doch inzwischen können die Gadgets Sterne identifizieren, das Wetter abrufen und die Kaffeemaschine ansteuern, doch der eigentlichen (Kommunikations-)Funktion wird kaum noch Beachtung geschenkt. Es ist schon erschreckend wie viele Freunde einen per WhatsApp um Erlaubnis bitten, ob sie anrufen dürfen, anstatt einfach anzurufen und zu fragen, ob man Zeit zum Telefonieren hätte.

Design reduziert sich selbst auf das Minimum

Vergleicht man die aktuelle IKEA Produktpalette mit der Möbelgestaltung der vergangenen 100 Jahre, fällt direkt auf, dass das Design schon nahezu langweilig geworden ist. Zwar bringen klare Linien und minimalistische Formen in Kombinationen mit einheitlichen Farben einen modernen Look mit sich, doch die Antiquitäten des letzten Jahrhunderts wirken dagegen prächtig, verspielt und aufwendig verziert. Der damalige Qualitätsstandard war schon auf Grund der kompletten Fertigung mit bloßen Händen und der damit verbundenen Handwerkskunst ein vollkommen anderer. Je mehr aufwendige Verzierungen die Einzelstücke trugen, desto kostspieliger bzw. langwieriger war die Herstellung.

Ein ähnlicher Wandel ist auch in der Architektur zur erkennen. Aufwendig gebaute Häuser, wie sie z. B. in Städten wie Marburg oder Dresden noch zu finden sind, werden immer mehr durch schlichte Betonblöcke ersetzt, in die dann innerhalb kürzester Zeit bis zu zwölf Parteien einziehen, nur um sich mit lauter Musik und Streitigkeiten auf die Nerven zu gehen. Dabei ist es traurig mit ansehen zu müssen, wie viele aufwendig verzierte Designklassiker, die mit viel Energie hergestellt wurden, auf dem Sperrmüll zu finden sind, nur weil die Generation Y die harte Arbeit der vergangenen Jahre nicht mehr wertzuschätzen weiß.

Warum bloß sieht alles gleich aus?!

In der Smartphone-Industrie ist es mittlerweile soweit, dass sich fast alle Konkurrenten mit einem und dem selben Design präsentieren. Klar, warum sollte man auch etwas ändern, wenn ein Konzept gut funktioniert. Am Ende sind es nur minimale Veränderungen in Form, Farbe oder Fertigungsqualität, die der Otto-Normal-Verbraucher nur noch schwer wahrnimmt.

Doch es gibt auch Unterschiede. Im Vergleich zu den ersten Handys haben sich Smartphones in Look and Feel mittlerweile stark verändert, doch vor allem Nokia hat einmal mehr bewiesen, dass es unter Umständen gut sein kann, sich und seinem alten Design treu zu bleiben und die Beziehung, die der Kunden bereits zum ersten Nokia 3310 aufgebaut hat, nicht zu zerstören. So präsentiert sich das neue 3310 für den Nutzer nicht als vollkommen neues Gerät, sondern als modernisiertes Updates, das trotzdem weiterhin den Grundsätzen seines Vorfahren folgt.

Doch es gibt auch Positivbeispiele…

Denkt man nun über den Wandel in Technik und Design nach, der sich in den verschiedensten Bereichen finden lässt, so wäre es hin und wieder angebracht seinen Wurzeln treu zu bleiben. Als Positivbeispiele sind an dieser Stelle Unternehmen wie Leica, Braun oder eben auch Nokia zu erwähnen, die zwar mit neuen Innovationen aufwarten, aber dennoch bei ihren (Design-)Wurzeln bleiben. Sollte es diese Unternehmen nicht mehr geben, ist es dann soweit, dass sich gutes Design irgendwann soweit entwickelt, dass die damals noch damit verbundene Qualität komplett auf der Strecke bleibt?!

Was denkst Du über den Fortschritt der Technik und den Wandel im Design? Laufen wir in die richtige Richtung? Und wie stehst Du zu derartigen Kolumnen, würdest Du gerne mehr solcher Artikel hier auf DESIGNLOVR lesen? Wir freuen uns auf Dein Feedback bzw. Deine Kritik in den Kommentaren!