Gucci - Lookbook 2016 - Berlin 1

Gucci und Givenchy in der Hauptstadt zu Gast

„Berlin ist arm, aber sexy“ sagte einst Klaus Wowereit. In den Augen internationaler Modehäuser scheint Berlin wohl eher eins zu sein: rough. Ziemlich grau, ziemlich groß und ziemlich heruntergekommen mit Plattenbauten, verlassenen Gebäuden und dem letzten Schein von ein bisschen Glamour des vergangenen Jahrhunderts. Warum sonst sollte man auch in Berlin die neue Kampagne shooten?

Alessandro Michele: Fotoshooting über den Dächern Berlins

Den Anfang machte Alessandro Michele, Kreativdirektor von Gucci. Um die Frühjahr-Sommer-Kollektion abzulichten, flog er mit Haus und Hof nach Deutschland, nach Berlin. Im Westen der Stadt, auf Club-Toiletten, in U-Bahnen und auf dem Dach des Maritim proArte Hotels setzte er die neue Kollektion des Traditionsunternehmens in Szene. Genau so bunt wie die Kacheln an den Wänden der Hoteltoiletten oder der U-Bahn-Höfe sind auch die Entwürfe des Designers.

Altbacken? Gucci nimmt jüngere Zielgruppe ins Visier

Vor wenigen Saisons noch war Gucci altbacken. Mit einem eingestaubten Image verkaufte man zwar, aber leider nur an eine in die Jahre gekommene Zielgruppe, die vermutlich bei Gucci einkaufte, weil sie es schon seit Jahrzehnten so machte. Mit der von Farben und Details nur so überquellenden Kollektion des Designers Alessandro Michele kommt nun auch die jüngere Zielgruppe zu dem Label mit den zwei verschlungenen Gs.

Riccardo Tisci favorisierte als Location Ost-Berlin

Wenig später zog Riccardo Tisci, Chefdesigner von Givenchy nach. Für seine neue Pre-Fall-Kollektion wählte er als Location Ost-Berlin, und das zeigte sich von seiner besten Seite. Grau und eintönig wirken die Settings. Veraltete Hochhäuser und verlassene Straßen bestimmen das Gesamtbild. Die Kollektion ist da ein klarer Bruch. Mit Lingerie-Kleidern, extravaganten Prints und einem Pyjama-Look kommt Farbe und vor allem Leben ins Bild.

Ein klarer Bruch: die Givenchy Pre-Fall Kollektion

Berlin ist gar nicht so arm, aber trotzdem ziemlich sexy. Berlin hat es geschafft, sich ein eigenes Image zu verschaffen. Die Modewoche ist nicht so wie in Paris oder New York, aber auch kein billiger Abklatsch. Berlin ist Berlin und die Wichtigkeit des Modestandorts in Deutschland bekommt immer mehr Bedeutung, wenn internationale Labels die Geschichte der Stadt nutzen, um eine neue zu erzählen und die Branche ein bisschen ankurbeln ohne die heimischen Designer zu verdrängen.