Dieter Rams - Wohnzimmer

Dieter Rams: Zehn Thesen für gutes Design (angepasst für das 21. Jahrhundert)

Dieter Rams ist bekannt für seine zehn Thesen für gutes Design, doch die Gestaltungsphilosophien haben sich im 21. Jahrhundert geändert. So gilt das Jahr 2017 als Jahr einer Zäsur, sodass führende Designer anfangen ihre historischen Vorbilder zu hinterfragen. Einer dieser Vorbilder ist der – unter dem Spitznamen bekannte – „Aufräumer der Nation“. Dieter Rams war viele Jahre Industrie- und Produktdesigner bei den Herstellern Braun und Vitsoe und hat die Formsprache des 20. Jahrhunderts maßgeblich mit beeinflusst. Doch seine zehn Thesen für gutes Design, die er bereits Mitte der 1970er Jahre mit seinem Team entwickelt hat, benötigt nun ein Update, ist sich die Design-Community einig.

Gutes Design: Was ändert sich an den Thesen von Dieter Rams?

Anders als vielleicht vermutet, ist sich die Design-Community einige, dass die zehn Thesen für gutes Design von Dieter Rams keineswegs ausgedient haben. Vielmehr geht es darum die „zehn Prinzipien“, die ihre Wurzeln im Industriedesign des ausgehenden 19. Jahrhundert haben, neu aufgestellt und an die Moderne angepasst werden müssen. Doch wie funktioniert gutes Design heute?

1

Gutes Design ist transparent

Benutzerfreundlichkeit wurde schon vor Jahrzehnten zum dominierenden Paradigma, weil sie überragend wichtig erschien. Doch die Welt hat sich geändert. Nutzer misstrauen heute allzu glatten, allein auf Usability getrimmten Interfaces. Daher soll Design heutzutage auch für Transparenz sorgen. Nutzer sollen selbstständig entscheiden können, ob ihre Daten gesammelt werden.

2

Gutes Design berücksichtigt weitreichende Konsequenzen

Stark benutzerfreundliches Design versorgt Nutzer nur mit der Erfüllung ihrer unmittelbaren Bedürfnisse. Die langfristigen Konsequenzen der Computer- und Smartphone-Nutzung werden zu wenig beachtet. Das ist ein Manko, meint die heutige Design-Community. Gutes Design sollte ökonomische, soziale, kulturelle und ökologische Folgen im Auge behalten.

3

Gutes Design ist langsam

Die Schnelligkeit des modernen Designs nutzt Unternehmen bei ihren Verkäufen - nicht Menschen bei ihren Entscheidungen. Daher sollte wieder neue Langsamkeit eingeführt werden. Verbraucher sollen durch das Design darüber nachdenken, was sie gerade benutzen.

4

Gutes Design ist ehrlich

Den Grundsatz der Ehrlichkeit stellte schon Dieter Rams auf, er ist aktueller denn je. Durch moderne Technologien können Verbraucher noch viel besser als früher manipuliert werden, doch das Design sollte dem entgegenwirken. Menschen müssen durch das Design erkennen, wie leistungsfähig oder innovativ ein Produkt in Wahrheit ist. Dieter Rams schrieb hierzu, man solle alle unerfüllbaren Versprechen aus dem Design eliminieren.

5

Gutes Design ist politisch

Designs und Codes verteilen Macht. Damit ist Design politisch und sollte sich seiner Verantwortung bewusst werden. Hierfür gibt es viele Beispiele wie etwa der Einfluss von Facebook auf die letzte US-Präsidentenwahl. Subtiler gehen Jobportale vor, die für hohe Posten mit designerischen Kniffen (Bildern, Sprache) eher nach Männern suchen. Bei prädiktiver Polizeisoftware führt das Design unter Umständen zu rassistisch geprägter Fahndung.

6

Gutes Design ist systemgerecht

Hinter diesem Begriff steckt die Idee, dass alle Dinge miteinander verbunden sind und Designer das berücksichtigen sollten. Sie müssen in Systemen denken können, denn die Welt wird zunehmend komplexer.

7

Gutes Design ist gute Artikulation

Damit ist gutes Schreiben gemeint. Designer müssen sich auch verbal artikulieren können, die Sprache hat einen enormen Stellenwert. Unter anderem muss jemand Siris Witze schreiben, doch auch beim Verkauf ihrer Ideen benötigen Designer Wortgewandtheit.

8

Gutes Design ist facettenreich

Ohne Facettenreichtum können Produkte die Verbraucher nicht erreichen. Leider ist aktuell ein Gegentrend festzustellen: Beim Branding setzen Designer – den Vorgaben der Industriekunden folgend – eher auf wenige Grundeigenschaften wie Nutzen, Schönheit und bestenfalls noch Humor und Inspiration. Es gibt jedoch wesentlich mehr Facetten, welche das Design aufgreifen sollte.

9

Gutes Design geht Risiken ein

Wer innovativ gestaltet, setzt sich dem Risiko aus, nicht verstanden oder angenommen zu werden. Doch dieses Risiko lohnt sich, wie Untersuchungen zeigen. Ein Aufbrechen von Design- und Rezeptionsgewohnheiten kann in vielen Fällen die Aufmerksamkeit und damit die Verkäufe sehr deutlich steigern.

10

Gutes Design ist für Menschen und Maschinen

Nicht nur für Nutzer, auch für Computer und sonstige Maschinen muss Design heute nützlich sein. Künstliche Intelligenz zieht in unseren Alltag ein, sie benötigt designerische Unterstützung. Modernes Design denkt an einen Mensch-Maschine-Hybriden.