Zwischen den ersten Fußballschuhen, die Anfang der 1920er-Jahre von Hand gefertigt wurden, dem ersten „The Nike“ Fußballschuh von 1971 mit dem Swoosh auf der Seite und den heutigen Hightech-Modellen, wie dem Hypervenom 3, liegen fast 100 Jahre. Während all der Jahre hat Nike unzählige Fußballschuh-Modelle produziert, die genau so wie ihre Träger, einen wichtigen Teil zum sportlichen Erfolg von Vereinen wie Real Madrid, FC Barcelona oder FC Bayern München beigetragen haben.

Mit dem erst kürzlich vorgestellten Hypervenom 3 präsentiert Nike das wohl beste Modell der Serie. Der Fußballschuh ist laut eigener Aussage für den „ultimativen Finishing Moment“ gedacht und bietet einen wesentlich festeren Sitz als sein Vorgängermodell. Außerdem bietet er ein verbessertes Ballgefühl und soll jede dynamische Bewegung des Spielers noch besser unterstützen. Vor diesem Hintergrund haben wir mit Nathan VanHook, Senior Design Director Nike Football, über den neuen Hypervenom 3 gesprochen. Wir wollten u. a. herausfinden, wie der Design Prozess hinter dem Fußballschuh aussieht bzw. welchen Einfluss Spieler wie Robert Lewandowski, Gonzalo Higuaín oder Edinson Cavani, aber auch Techniken wie der 3D-Druck auf die Funktion oder die Ästhetik des Hypervenom 3 gehabt haben.

Im Gespräch

Nathan, jeder kennt Nike und Eure Fußballschuhe wie den Magista, Mercurial oder Hypervenom, doch bitte stelle Dich noch einmal kurz unseren Lesern vor.

Mein Name ist Nate VanHook und ich bin Senior Footwear Design Director bei Nike Football. Aktuell leite ich ein großartiges und vielfältiges Design Team, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die innovativsten und atemberaubendsten Fußballschuhe der Welt zu gestalten.

Wie bist Du zum Design im Allgemeinen, aber vor allem auch zu Nike und zum Thema Fußballschuhe gekommen?

Sport und Kunst haben seit jeher einen Platz in meinem Herzen. Durch die Kombination beider Leidenschaften kam ich zum Design – und schließlich auch zu Nike. Hier hatte ich die letzten acht Jahre großartige Möglichkeiten und konnte u. a. bei Nike Sportswear tolle Produkte im Bereich Energy Product und ACG entwerfen. Außerdem habe ich mit einigen der besten Athleten – wie z. B. dem Olympioniken Ashton Eaton im Bereich Trainingsbekleidung – der Welt zusammengearbeitet. Heute habe ich einen Traumjob bei Nike Football. Der kleine Junge aus den USA, der die Weltmeisterschaft 1994 geschaut hat, konnte sich dies nicht erträumen.

Und stimmt es wirklich, das Du Taucheranzüge während Deiner Zeit auf der Highschool designed hast?

Ja, das stimmt. Ich habe Neoprenanzüge für Taucher und Surfer entworfen, aber das war nach meinem Abschluss an der Universität.

In wie weit helfen Dir die dort gesammelten Erfahrungen beim Design neuer Nike Fußballschuhe weiter?

Alles, was wir als Designer bei Nike tun, dreht sich um den Körper in Bewegung. Das Hauptziel von Neoprenanzügen ist es, eine zweite Haut für den Körper zu sein – und genau das streben wir auch bei unserer Fußballbekleidung an. Bei beidem ist vorrangig, dass der optimale Schnitt zu keinerlei Beeinträchtigung führt.

Alles, was wir als Designer bei Nike tun, dreht sich um den Körper in Bewegung.

Nathan VanHook

Wenn Du in der Zeit zurückblickst, wie sehr haben sich die technischen, aber auch gestalterischen Ansprüche an Fußballschuhe über die Jahre verändert?

Die Technik verbessert sich stetig. Durch Fortschritte in der Fertigung, den Materialien und den Technologien entstehen neue Möglichkeiten, die einiges an Kreativität verlangen, um das Design an die neuen Methoden anzupassen. Nur so gelingt es uns die besten Produkte zu gestalten. Doch nach wie vor sind es immer die gleichen Probleme, die wir im Fußball probieren zu lösen: die optimale Passform, das Gefühl und die Traktion; resultierend in einem Produkt, das begehrenswert ist.

Welche Auswirkungen hatte das auf den heutigen Entwicklungsprozess neuer Fußballschuhe wie z. B. den gerade vorgestellten Nike Hypervenom 3?

Der Hypervenom 3 ist eine Meisterleistung in Sachen Design, Ingenieurskunst und Entwicklung. Alle Technologien so einheitlich zusammenzubringen hat uns ganz schön gefordert. Kreativität und Innovation haben uns geholfen, einen Fußballschuh zu formen, der dem Spieler den richtigen Nutzen bringt, um mit dem Fuß zu „reagieren“. Von der Hyper Reactive Plate, die sich der Bewegung des Fußes anpasst, über das „Flyknit“ Gewebe, die aus einem drei Meter langen, Flywire Kabel gewebt wurde und den Fuß perfekt an die Hyper Reactive Plate passgenau anpresst, die komplexe Formung, die ein optimales Dämpfverhalten zur Folge hat, die großartige Textur, die ein optimales Handling des Balles ermöglicht, bis hin zur präzise gelaserten „Strike Zone“, gibt es nicht ein Detail an diesem Schuh, mit dem sich unser atemberaubendes Team nicht akribisch beschäftigt hätte.

Wie fängt man als Nike Designer an einen neuen Fußballschuh zu gestalten? Wie sieht euer „Design Thinking“ Prozess aus? Welche Fragen stellt ihr euch?

All unser Handeln beginnt beim Athleten und den Einblicken, die er uns gewährt. Es geht darum zu wissen, für welches Problem wir Lösungsansätze finden müssen, um den Athleten einen Vorteil zu verschaffen. Es geht vor allem darum, ihm zu helfen seine Leistungen auf ein neues Niveau heben zu können. Dann schauen wir, welche Technologien diesbezüglich relevant sein könnten und machen uns schleunigst daran, diese durch intensives Zusammenarbeiten dreidimensional und greifbar werden zu lassen. Es ist nie der Fall, dass eine Person ein derartiges Produkt alleine entwirft; man braucht ein großes Team um dieses Niveau an Innovation realisieren zu können.

Und wie lange hat der Design- und Entwicklungsprozess gedauert, bis aus dem anfänglichen Konzept ein High Performance Fußballschuh wurde?

Es dauert grob zwei Jahre und erfordert unzählige Prototypen, die über hunderte von Stunden in Amerika, England, Italien und Brasilien getestet werden. Nur so schaffen wir es am Ende das Konzept Realität werden zu lassen und letztlich auf den Markt zu bringen.

Die Ästhetik sollte maßgeblich von der Funktion beeinflusst werden.

Nathan VanHook

Magst Du uns verraten in wie weit die Ästhetik des Fußballschuhs eine Rolle spielt?

Die Ästhetik sollte maßgeblich von der Funktion beeinflusst werden, wie z. B. die kultigen Hervorhebungen von „Cut“ und „Strike“ beim Hypervenom 3. Wir wissen, wenn die Spieler gut aussehen und sie sich gut fühlen, dann werden sie auch gut spielen – und wenn wir dann noch die Nike spezifischen Innovationen und den unverkennbaren Nike Stil anbieten können, dann schaffen wir etwas magisches. Wenn der Hypervenom 3 auf dem Platz ist, wird man ihn nicht übersehen.

Welchen Einfluss hatten Spieler wie Robert Lewandowski, Gonzalo Higuaín oder Edinson Cavani auf die Ästhetik des Hypervenom 3?

Diese Athleten stehen dafür, dass wir auf einem guten Weg sind uns ihrer spezifischen Ansprüche anzunehmen und diese auch umzusetzen. Wir analysieren ihre Bewegungen, bekommen Feedback für unsere Prototypen, die von ihnen und anderen professionellen Spielern weltweit getestet werden. Die uns übermittelten Anregungen führen dann zum Feinschliff, der uns hilft, ein Produkt auf den Markt zu bringen, das exakt an die Bedürfnisse von Weltklassespielern angepasst ist.

Mit den Farben Electric Green und Hyper Orange habt ihr zwei sehr auffällige Farben für den „Finisher Boot“ gewählt. Woher stammen die Inspirationen dazu?

Diese zwei Farben sind sehr lebhaft in jedem Farbraum. Das Grün und das Orange prallen gewollt aufeinander und bilden einen schönen Kontrast, ohne sich in der Harmonie ihrer Töne zu stören. Das Team hat eine hervorragende Arbeit geleistet, als es darum ging, diese Töne, die sonst oft mit Warnschildern, Gefahren oder Arbeitskleidung assoziiert werden, harmonisch aufeinanderprallen zu lassen.

Gibt es auch andere Bereiche im Design oder in der Architektur bzw. der Mode, die Dich als Fußballschuh-Designer inspirieren?

Wir lassen uns immer wieder von der Architektur, der Raumentwicklung, Handwerkskunst oder dem Möbeldesign beeinflussen. Oftmals können diese Felder kleine Ideen zum Leben erwecken, die sich im Laufe der Zeit zu einer großen Idee entwickeln können. Wir schauen immer in die Zukunft und überlegen, wie wir diese Visionen zum Leben bringen.

Wir lassen uns immer wieder von der Architektur, der Raumentwicklung, Handwerkskunst oder dem Möbeldesign beeinflussen.

Nathan VanHook

Vielen Dank für Deine Offenheit. Darf ich fragen welche Materialien für Nike in den kommenden Jahren im Fokus stehen, um Fußballschuhe wie den Hypervenom 3 noch leistungsfähiger zu machen?

Wir werden stetig an Innovationen in den Bereichen Passform, Gefühl und Traktion arbeiten, um die bestmögliche Ausgangslage für die Athleten zu schaffen. Wir haben unfassbar talentierte Teams, die sich alleine mit dem Schuhwerk und den passenden Innovationen befassen, um die Grenzen des zu Erwartenden zu überschreiten.

Spielt aus Deiner Sicht der technologische Fortschritt, wie z. B. der 3D-Druck, eine wichtige Rolle im Design der Zukunft?

Ja, das ist eine sehr große Errungenschaft in der Entwicklung. Wir nutzten 3D-Ausdrucke um den Prozess zum Erstellen einer Gussform zu simulieren. Normalerweise hätte das Monate in Anspruch genommen, durch die Innovation dauerte es aber lediglich Tage. Das hat es uns ermöglicht, schneller zur Arbeit schreiten zu können und das Produkt zügiger zu perfektionieren.

Welcher Teil des Fußballschuhs steht in den kommenden Jahren besonders im Fokus?

Wir sind sehr stolz darauf Produkte für jeden Spieler, auf jedem Untergrund zu schaffen. Mercurial für den Spieler, der viel Wert auf Geschwindigkeit legt. Magista für den Spielmacher, der das Spiel durch seine Kreativität öffnet. Den Hypervenom für den Spieler der Mannschaft, der den Ball ins Netz befördern soll und den Tiempo für all diejenigen, die das Gefühl von Leder lieben und das Offensivspiel der Mannschaften beflügeln. Wir werden uns unermüdlich mit Innovationen rund um die Themen Passform, Gefühl und Traktion für all diese Produkte beschäftigen.

Und wie sieht Deiner Meinung nach der perfekte Nike Fußballschuh für die nächste Fußball-Weltmeisterschaft aus?

Einfach perfekt. (lacht)

​Der Hypervenom 3 ist wirklich dafür geschaffen worden, um auf deinen Fuß reagieren zu können.

Nathan VanHook

Ist es am Ende auch das, was einen Nike Fußballschuh wie den Hypervenom 3 von einem anderen unterscheidet?

Der Hypervenom 3 ist wirklich dafür geschaffen worden, um auf deinen Fuß reagieren zu können. Die „Hyper Reactive Plate“ nahm sechs Jahre Entwicklungszeit in Anspruch und erforderte eine Vielzahl von intelligenten Menschen, Brillanz und einiges an Zeit. All das resultiert in einem Produkt, das keiner je zuvor erlebt hat.

Danke Dir Nathan, für Deinen Einblick in die Welt der Fußballschuhe von Nike. Sag mal bleibt bei all der Arbeit und den vielen Ideen überhaupt noch Zeit um selber zu Fußball zu spielen?

Ja, generell probieren wir freitags so häufig wie möglich rauszukommen, um das Produkt zu testen, an dem wir arbeiten. Wichtiger ist allerdings, dass wir das Spiel spielen, das wir alle lieben – und das uns vorantreibt.


Update vom 01. März 2017: Ab sofort ist der Hypervenom 3 auch als Strike Night Boot verfügbar. Der neue Hypervenom 3 Strike Night Boot ermöglicht Spielern eine erhöhte Ballkontrolle und die Fähigkeit, unvorhersehbare Bewegungen zu entwickeln. Weitere Informationen findest du auf der Nike Website.