Jerome Boateng - Rettungsaktion EM 2016

So gelang Shawn Thew die spektakuläre Aufnahme von Jerome Boateng

Es war die Szene des ersten deutschen Spiels bei der EM 2016 in Frankreich: Deutschlands Abwehrchef Jerome Boateng kratzt mit einer spektakulären Rettungsaktion den Ball von der Linie. „Ich kam mit vollem Tempo aus der anderen Richtung und musste den Ball noch von der Linie kriegen“, sagte Boateng gegenüber dem Abendblatt. Und das war dem Innenverteidiger auch gelungen.

Nachdem 2:0 EM-Auftakt feiert das Netz diese spektakuläre Rettungsaktion: „Wird’s mal eng - kommt Boateng“. Immer mit dabei, das Bild des Amerikaners Shawn Thew, dem im 7. Spiel vermutlich das spektakulärste Bild der EM 2016 geglückt ist. Wir haben mit dem Fotografen, der am Weißen Haus in Washington D.C. schon Barack Obama und Co. vor der Linse hatte, über die 37. Minute im Spiel Deutschland vs. Ukraine gesprochen.

Shawn, die Spiele in Frankreich haben gerade erst begonnen, doch schon jetzt hast Du vermutlich das spektakulärste Bild der EM 2016 geschossen. Wie fühlt sich das an?

Hm, na da kommen noch viele Spiele mit sehr guten Fotografen aus der ganzen Welt. Natürlich ist es ein tolles Gefühl so ein Foto zu schießen, es ist definitiv mein bestes Fußball-Foto aller Zeiten. Ich arbeite für eine europäische Fotoagentur mit Sitz in Washington, DC und es ist eine Ehre für die Europameisterschaft als Fotograf ausgewählt worden zu sein. Die Agentur investiert viel Planung und Geld, damit ich in Frankreich arbeiten kann, da bin ich natürlich glücklich dieses Foto geschossen zu haben und mich auf diesem Weg revanchieren zu können.

Mit seiner Aktion hat Jerome Boateng in Deutschland unzählige Fans und Zuschauer begeistert. Wie hat sich die 37. Minute aus Deiner Sicht abgespielt? Wie ist das Foto entstanden?

Zunächst dazu, wie das Foto entstand: Da es uns nicht erlaubt ist direkt hinter dem Tor zu stehen, nutzte ich eine Fernkamera. Ich war drei Stunden vor Anpfiff vor Ort, um einen geeigneten Platz hinter dem Tor zu finden. Etwa 1,5 Stunden vor dem Spiel richtete ich die Canon EOS-1D X mit einer 16-35mm 1:4 L IS USM EF Linse ein und fokussierte sie auf das Tor. Ich nutzte ein Fußpedal als Auslöser und überprüfte mit einem Kollegen, ob sie auch wirklich auslöst, wenn ich das Pedal betätige. Er zeigte mir den Daumen nach oben und sagte mir, dass die Bilder auch richtig übertragen wurden.

Die Ukrainer haben sehr gekämpft und bauten einen extremen Druck auf die Deutschen auf, um das Spiel noch zu drehen. Als Boateng auf die Torlinie rannte, drückte ich den Auslöser auf meiner Kamera in der Hand und betätigte natürlich auch den Fußauslöser für die Fernkamera. Es war echt spannend und 50.000 Menschen jubelten. Man weiß nie, was man mit einer Fernkamera erreicht, denn du hast es trotz der ganzen Vorbereitung einfach nicht in der Hand. In der Halbzeit ging ich zu meiner Kamera, um das Bildmaterial zu überprüfen und war ziemlich enttäuscht, da sie umgeworfen war. Das war schon einmal während des Aufwärmens passiert. Da habe ich es aber gleich gesehen und konnte sie neu positionieren. Als ich die Kamera neu positionierte, klickte ich die Bilder durch… Dach, Dach, Dach. Über 100 Bilder vom Dach und dann: Jackpot! Eine Serie von Boateng auf der Torlinie, rückwärts in meine Kamera fliegend und, wie er sie umreißt.

Nachdem Du aller Wahrscheinlichkeit nach DAS Foto der EM 2016 geschossen hast, wie geht es jetzt für Dich in Frankreich weiter?

Das war mein zweites Spiel, ich fange also wirklich gerade erst an. Ich werde Trainings und Spiele in Lille und Lens mit unserem Team während des Turniers fotografieren. Und wenn die Zeit es erlaubt, wollen wir ein bisschen Sightseeing machen und natürlich die anderen Spiele in den lokalen Kneipen schauen.

Danke Dir, Shawn, für das kurze Interview. Dir auch weiterhin großartige Aufnahmen bei der EM 2016.

Vielen Dank, es ist wirklich toll ein Teil der europäischen Pressefoto-Agentur für die Europameisterschaft 2016 zu sein. Wir sind hier in Frankreich 28 Fotografen aus der ganzen Welt und wir lieben es und haben eine tolle Zeit. Ihr könnt unsere Berichterstattung auf www.epa.eu verfolgen. Außerdem vielen Dank an meinen größten Fan, meine Frau Leesa, die gerade zuhause in Virginia meine Fotos und Geschichten mit all unseren Freunden teilt. Nochmal vielen Dank und alles Gute, Shawn.

Update vom 28. Dezember 2016: Da die Bildrechte abgelaufen sind, haben wir das Originalbild durch ein Screenshot der Website von Jerome Boateng ersetzt. Außerdem gibt es in Anlehnung an unser Interview auch einen englischen Blogeintrag – Remote gold – auf der Website der European Pressphoto Agency sowie weitere, unveröffentlichte Bilder von Shawn Thew.