Fashion Blogger - Front Row - Tommy Hilfiger

Instagram regiert die Modewelt

Immer wieder ertappt man sich selbst dabei. Gedankenverloren öffnet man die App mit dem kleinen, grafischen Kamerasymbol. Foto um Foto scrollt man sich durch den Alltag der Anderen, hier und da hinterlässt man einen Doppelklick, ab und an tippt man das Video für den Ton oder das Bild für die Credits an. Instagram gehört zum Alltag, ist Zeitvertreib und Inspiration in einem. Und schafft vor allem eins: Nähe.

Viele der Personen, die in dem eigenen Feed auftauchen, kennt man nicht persönlich. Und trotzdem scheint es so, als wisse man alles über sie. Man kennt das gestrige Frühstück, den Namen der französischen Bulldogge und weiß, wie der letzte Jahrestag mit dem Freund gefeiert wurde. So scheint es zumindest.

Blog: The Blonde Salad | Instagram: @chiaraferragni

Neue Kollektionen ausschließlich für Instagram entworfen

Instagram hat echte Stars hervorgebracht. Chiara Ferragni, die Über-Bloggerin mit rund 5,5 Millionen Instagram-Followern verdient jährlich durch Kooperationen - und ihre eigene Schuhlinie - mehrere Millionen. Kendall Jenner und ihr Freundeskreis um Topmodel Gigi Hadid und Sängerin Taylor Swift haben die meisten Follower und führen natürlich auch die Riege der meist gelikten Fotos an. Pro Posting bezahlen Unternehmen ein Vermögen (Anm. Red. laut Viva pro Post zwischen 125.000 und 300.000 Dollar).

Der Foto-Dienst hat sich mittlerweile in der Modebranche etabliert - und zwar so stark, dass er nicht mehr wegzudenken ist. Dabei geht es sogar soweit, dass die Zeiten, in denen sich die Influencer der Mode angepasst haben, unlängst der Vergangenheit angehört. Die Mode passt sich den Influencern an - und zwar ausnahmslos. Dank Instagram verbreiten Blogger und Co. ihre Eindrücke zur neuen Kollektion via Schnappschuss oder Video binnen weniger Sekunden direkt vom Runway auf der ganzen Welt. Das Schlimme daran ist, dass es einem so vorkommt, als wäre die neue Kollektion nur dafür entworfen worden.

Website: NYFFW | Instagram: @nyfw

Looks haben kaum noch Bezug zueinander

Zum Designprozess einer Kollektion gehört neben Kreativität und Ideenfindung natürlich auch ein Konzept, ein roter Faden. Ob Accessoires, Silhouette oder Applikationen, wiederkehrende Elemente machen den Gesamteindruck aus. Und gerade in den Modemetropolen Paris und Mailand darf man davon ausgehen, dass besonders die namenhaften Labels kein Problem damit haben. So war es zumindest vor den rasend schnellen Apps.

Mittlerweile macht es eher den Eindruck, als wäre lediglich der einzelne Look in sich schlüssig. Die Outfits an sich haben aber kaum noch Bezug zueinander. Hauptsache sie sehen auf Instagram mit seinem quadratischen Bild gut aus und werden häufig gelikt. Dabei gehen kleinere Labels, deren Goodie-Bags nicht so prall gefüllt sind, schlicht und ergreifend unter. Ausschließlich bekannte Größen wie Gucci, Dolce & Gabbana oder Chanel, die eine immer größere Medienpräsenz erhalten, profitieren davon. Doch wie lange dieser Hype noch anhält, das bleibt fraglich.

Instagram: @jeffthibodeauco

Von ausführlicher Modekritik keine Spur

Selten findet man auf größeren Blogs ausführliche Modekritik. Die nach einer Runway-Show veröffentlichten Artikel, wenn neben dem Instagram-Foto überhaupt etwas geschrieben wird, lässt sich meist in einem Hashtag beschreiben: #awesomecollection.

Verurteilen sollte man die Riege der Fashion Blogger dafür nicht. Ganz im Gegenteil, sie stellen sich mit den Unternehmen gut, um auch in der kommenden Saison wieder ganz vorne mit dabei zu sein. Außerdem haben sie nur ihren Job getan und ihre Follower mit allen nötigen, wenn auch bezahlten Informationen gefüttert.

Doch am Ende muss eine Frage erlaubt sein: Was liefert eine aus Fashion Blogger und Instagrammer bestehende Front Row für einen Mehrwert, mal ganz von der kurzweiligen Präsenz in einem von einem Algorithmus bestimmten Stream abgesehen?!