Alice Huynh - S/S Collection 2015 - Video

„Fresh off the Boat“ von Nachwuchsdesignerin Alice M. Huynh

„Fresh off the Boat“ kennt man aus der Umgangssprache der Amerikaner, was so viel bedeutet wie „frisch vom Boot“ - nicht etwa nach einer aufregenden Schiffsfahrt, sondern viel mehr in einer Flüchtlingsgeschichte der 70er Jahre durch Folgen des Vietnam-Kriegs. Ein tragisches Ereignis, das auch die Eltern der Designerin Alice M. Huynh miterlebt haben - aber auch ein Ereignis, das deren Tochter zu einer grandiosen Kollektion verhalf. Denn das Thema „Fresh off the Boat“ ist die Leitidee der Abschlusskollektion zum Bachelor als Modedesignerin.

Krieg, Vergewaltung, Hoffnung und (Über-) Leben im Fokus

„Die Kollektion erzählt von Krieg, Flucht, Alleinsein, Vergewaltigung, aber auch von Hoffnung, Natur und (Über-) Leben“, erklärt die Nachwuchsdesignerin. Bekannt für den Minimalismus und die Grundidee „weniger ist mehr“, steht für die Wahl-Münchnerin bei dieser Kollektion die Stofflichkeit im Vordergrund. Wer Alice persönlich oder auch von ihrem Blog I heart Alice kennt, weiß, dass 95 Prozent ihrer Outfits schwarz sind - die restlichen fünf Prozent werden auch mal durch weiße Highlights gekennzeichnet. Diesem Stil bleibt sie auch in ihrer Fall/Winter 2015 Kollektion treu - on top kommen aber ein paar vereinzelte goldene Highlights.

Alice schafft eine moderne Ästhetik, die mit Spuren und Emotionen aus ihren Wurzeln verbunden werden - eine Symbiose, die eine tiefgründige Geschichte hinter jedem Kleidungsstück erahnen lässt. „Es ist wohl eine meiner emotionalsten Themen, die ich je für meine Arbeiten ausgewählt habe.“

Ich designe keine Trends, denn Trends sind kurzlebig und nicht das, was ich möchte.

Alice M. Huynh

Mode ist ein Ausdruck, ein Gefühl und eine universelle Sprache, die für jedermann auf der ganzen Welt verständlich ist.

Alice M. Huynh

Inspiriert durch die Flüchtlingsgeschichte

Die Designs sind zwar von der Flüchtlingsgeschichte inspiriert, jedoch alles andere als offensichtlich: die Models tragen weder zerfetzte Kleider, noch erinnert das Lookbook an den Krieg. Doch das ist genau der Stil der Wahl-Münchnerin: zurückhaltend und nicht offensichtlich. Zum einen erzählen die bequemen Schnittkonstruktionen die Geschichte der Kollektion, aber allem voran transportiert die gezielte Auswahl der Materialien die Idee. Glänzender Moiré erinnert an Baumstrukturen, „Teddy“-Stoff aus Baumwolle spiegelt das unruhige Meer wider, Wollmix und schweres Jersey unterstreichen die Belastung der Extrem-Situation. „Gepaart mit vielen leichten Stoffen wie Plissee oder Seide, geben sie der Kollektion etwas Friedliches, etwas Unbekümmertes in einem solch leblosen Moment.“

Ein Antrieb, etwas schönes zu kreieren, was die Menschen lieben und Geschichten sowie Bilder in Form von Kleidung zu erzählen, bringt die Intention der 24-jährigen auf den Punkt. Tragbare Mode ist dabei genauso ein Anspruch wie nicht kommerziell zu sein, Mode bequem und selbstverständlich zu tragen. „Frauen und Männer, die es praktisch mögen, die es gemütlich mögen und sich ab und zu mal zurückziehen möchten, wenn sie mal nicht im Vordergrund stehen, das ist meine Zielgruppe.“ fügt Alice hinzu.

Wer nur die Mode sieht, ist dumm

Mit dem Ziel einen Kompromiss zwischen Modedesign und Modeblogging zu finden, behalten wir Alice gespannt im Auge, denn dass Alice unglaubliches Talent hat, bestätigt nicht nur die Auszeichnung zur Best Graduate Collection. Mit einem Zitat von Honoré de Balzac bringt die Nachwuchsdesignerin ihre einzigartige und moderne Handschrift abschließend auf den Punkt: „Wer in der Mode nur die Mode sieht, ist dumm.“