see-Conference 2015 - Impression 1

10 Jahre see-Conference. Ein absoluter Erfolg!

Seit einem Jahrzehnt trifft sich die Kreativbranche auf der see-Conference in Wiesbaden. Und auch in diesem Jahr wurden wieder aktuelle Trends aus der Welt der „Visualisierung von Information“ auf einer der größten Designkonferenzen Deutschlands präsentiert.

Seit ihrer Erstauflage im Jahre 2006 verfolgen Jahr für Jahr bis zu 800 Besucher die see-Conference. Zu den Sprechern gehörten in diesem Jahr u.a. Francesco Franchi, Koichiro Tanaka, Teddy Cruz, Van Bo Le-Mentzel und Alexandra Daisy Ginsberg, die einen Einblick in neuartige Design-Ideen, innovative Gestaltungsmöglichkeiten und Nachhaltigkeit offenbarten: Synthetische Biologie als Designdisziplin, Architektur als Aktivismus oder nonlinearer Journalismus sind nur einige der Themen.

It's not that newspaper are dying, but that one way of making newspapers is coming to an end.

Harald Welzer

Harald Welzer über Bilder der Zukunft

Nach einer kurzen Begrüßung durch S&V-Kreativchef Michael Volkmer machte Soziologe und Sozialpsychologe Harald Welzer den Auftakt. In seiner Keynote ging er auf das Thema „Bilder der Zukunft“ ein. „Die Bilder der 50er Jahre sind heute Wirklichkeit geworden“, so seine Wahrnehmung. Hat man früher noch „konkrete Utopien“ gehabt, so geht es heutzutage nur noch um Weiterentwicklung, um Bequemlichkeit, aber längst nicht mehr um Visionen.

Laut Welzer haben wir alle den Wunsch unsere alltägliche Welt ausschließlich besser zu gestalten. Doch was ist, wenn es keine Steigerung dessen gibt? „Der Begriff Zukunft muss neu definiert werden“, fordert er und führt fort: „Uns mangelt es an visionären Gesellschaftsvisualisierung, an Zielen und Zukunftsbildern.“

In Sachen Zukunft ging es auch mit dem zweiten Speaker des Tages weiter: Journalist und Infografiker Francesco Franchi vermittelte seine Analysen, Sichtweisen und umfassenden Gedanken zum fundamentalen Wandel der Mediennutzung.

Im Rahmen der ewigen „Print ist tot. Lange leben Print!“-Debatte fordert er ein neues Berufsbild, im Details den Editorial Experience Designer, der im Wesentlichen Text, Story, Zitate, Grafiken und Illustrationen gekonnt zusammenführt. „It's not that newspaper are dying, but that one way of making newspapers is coming to an end.“

Inspirationen von Koichiro Tanaka

Nach einer einstündigen Pause mit entsprechenden Möglichkeiten zur Stärkung ging es dann mit Designer Koichiro Tanaka weiter. Er hat einige der meist beachteten Markeninhalte im Netz produziert und ist als einer der größten Kreativköpfe der digitalen Werbung bekannt. Im Verlauf der Rede hat er die verschiedensten Themen - beispielsweise die App Uniqlock, die eine Mischung aus Musik, Tanz und Uhr ist - seines interdisziplinären Studios Projector vorgestellt. Zum Abschluss gab er noch einen Ausblick auf sein neuestes Projekt, eine Art virtuelles Museum, in dem man seine Facebook Timeline sehen kann.

Er drehte voll auf: Social Designer Van Bo Le-Mentzel

Weiter ging es mit Social Designer und Aktivist Van Bo Le-Mentzel, der mit seiner ausgeflippten Vorstellung ein Stück weit für TED-Feeling im Wiesbadener Kulturzentrum Schlachhof sorgte. Kam der studierte Architekt mit einem Liedchen singend auf die Bühne, war seine These dennoch klar und eindeutig: „Die Kunst liegt in der Einfachheit.“ Le-Mentzel ist u.a. der Erfinder der Hartz IV Möbel und der Fair Trade produzierten Karma Chakhs. Aktuell arbeitet er an seinem neuesten Projekt: Hartz V. Mittels Plattform möchte er finanzielle Unterstützer mit Personen zusammenbringen, denen man ein freies, finanziell unabhängiges Jahr gönnen würde. Einfach, damit diese Personen ihre eigenen Ideen nachgehen können. Denn Le-Mentzel ist der Meinung, dass in jedem von uns ein Genie steckt, doch kein Genie mag Druck.

Darauf folgte neben Architekt und Standplaner Teddy Cruz, der über die urbane Entwicklung an der Grenze von Tijuana und San Diego berichtet hat, die einzige weibliche Rednerin: Alexandra Daisy Ginsberg. Im Bereich des Design erläutert sie alternative Vorstellungen zur Technologie und deren Konsequenzen, insbesondere der synthetischen Biologie.

Volker Schlöndorff über Emotionen in einer digitalen Welt

Schlusslicht der diesjährigen Konferenz war Volker Schlöndorff. Der Filmregisseur und Drehbuchautor war der einzige Redner, der keine vorgefertigte Keynote präsentierte. „Emotionen funktionieren nicht digital!“, so Schlöndorff. Angefangen mit seiner Generation, die mit der heutigen Technik völlig überfordert ist, zeigt er die Kontroverse unserer heutigen Jugend: alles passiert „instant“ und dementsprechend handle es sich lediglich um Momentaufnahmen. Es gibt nur noch Augenblicke, keine Zeit und keine Emotionen mehr verdeutlicht er. Doch dabei müssen vor allem Storys ein Gefühl von Zeit vermitteln. Insbesondere sind es die heutigen Bilder, die wir mit Smartphones, Tablets und Co. aufnehmen. Sie sind emotional unaufgeladen und entsprechend stark ist ihr Wertverfall.

„In der digitalen Welt lebte es sich nur von Augenblick zu Augenblick“, sagte Volker Schlöndorff. „Nichts davon hinterlässt wirklich eine Spur.“ Er nannte es „Audio-visuelle-Diarrhö“ – und Recht damit hat der Oscar-Preisträger. Blickt man in das eigene iPhone, so muss man anerkennend feststellen, das trotz der unzähligen Bilder und Eindrücke nur die wenigsten davon im Gedächtnis geblieben sind. Ganz anders dagegen das Bild der rot-weißen Blechtrommel auf dem Cover der aktuellen Spiegelausgabe. Hier weiß man sofort, dass es sich hier um den Tod von Günter Grass handelt. Es ist emotional aufgeladen – und hinter ihm steckt eine Geschichte.

Wer nur Junkfood isst, der hat nach einiger Zeit auch keinen Geschmack mehr.

Volker Schlöndorff

Auch die 10. Ausgabe der see-Conference ein voller Erfolg

Am Ende, blickt man auf die 10. Ausgabe der diesjährigen see-Conference zurück, so konnte das Team der Wiesbadener Agentur Scholz & Volkmer auch in diesem Jahr mit einer gehaltvollen Konferenz von sich überzeugen. Die #see10 war wie gewohnt anders, familiär und dennoch aufregend und ermutigend. Als Designer gilt es auch in Zukunft viele Dinge zu hinterfragen, zu überdenken, Regeln zu brechen und vieles zu verändern. Vor allem aber geht es dabei um die Visualisierung von Informationen.